Mathis Erfahrungen aus dem Ahrtal

In unserem ersten Blogpost, möchten wir Euch einen Beitrag von Mathis, der im Postmagazin veröffentlicht wurde und seine Erfahrungen im Ahrtal beschreibt, vorstellen.


 

Wir denken, Mathis hat hier wunderbar festgehalten, wie es dort ablief und es ist ein fantastischer Weg, einen Einblick in das anfängliche Chaos zu erhalten, welches die Arbeit und Mithilfe damals mit sich brachte und leider immernoch bringt.


Aber mehr dazu im Text!


Viel Spaß beim Lesen!


 


Die Flutkatastrophe 2021


Bereits im Juli hatte es mich in das Flutgebiet gezogen.

Nachdem ich die Bilder aus den Medien gesehen habe, wurde ich das Gefühl nicht los, helfen zu müssen.

Dies tat ich auch in Absprache mit der Niederlassung, welche mir umgehend ein Fahrzeug zur Verfügung stellte und Geld mit denen ich im lokalen Baumarkt einkaufen ging.


Vollgepackt mit Sachspenden, Getränke für die Helfer und einem etwas mulmigen Gefühl

packte ich um 5 Uhr morgens meine Sicherheitsschuhe und Warnjacke an um mich ins Ahrtal zu begeben. Organisiert hatte ich mich im Vorhinein über Facebook. Es gab viele die helfen wollten, fast schon zu viele. Daher suchte ich mir einen ehemaligen Bundeswehrsoldaten vor Ort der mich und einige Helfer koordinieren wollte. Der Krisenstab in Mayschoss wurde über ca. 50 kommende Helfer informiert.


Angekommen an unserem Sammelpunkt, ein paar Kilometer oberhalb der Ahr wurde allerdings schnell klar, gut geplant ist nicht immer gut gemacht. Am Tag zuvor war unser Kontakt mit seinem 4-Rad-Antrieb durch die Weinberge gefahren um den Ortskern zu erreichen, der Krisenstab versprach, am kommenden Tag steht die Straße wieder! Als wir ankamen und unsere Fahrzeugkolonne fertig hatten, stand bereits eine Kilometerlange Schlange, an Blaulicht, privaten Helfern und Hilfsorganisationen auf dem einzigen Weg ins Tal, der noch gar nicht fertig war.


Das Ahrtal war plötzlich Blau geworden.

Für uns, die in Mayschoß angemeldet waren und erwartet wurden, gab es kein Durchkommen. Nachdem wir lange versuchten einen Weg runter ins Tal zu finden, durch Wald- oder Feldwege, schickte uns der Krisenstab zwei Polizeifahrzeuge als Kolonne. Der eine blieb im Wald stecken, der andere brachte uns tatsächlich in den Ortskern, wo es bereits von Bau- und Landwirtschaftsfahrzeugen wimmelte.


Nach einer kurzen Lagebesprechung brachte ich die Sachspenden der Niederlassung zum örtlichen Helferzentrum. Es fiel mir etwas schwer durch das Chaos zu blicken, viele Menschen, viele Fahrzeuge, große und kleine. Eine Einheit der Bereitschaftspolizei aus Berlin war vor Ort und zeigte vollen Einsatz und entrümpelte einen Weinkeller, unsere Helfer organisierten sich auf die Häuser, die noch begehbar waren und standen.


Nachdem ich eigentlich aufgrund von angehenden Prüfungen in der Uni nur die Sachen abladen wollte blieb ich letzten Endes bis spät abends. Nicht zuletzt auch weil eine Handgranate gefunden wurde, direkt neben dem Fahrzeug der Niederlassung. Kurz überlegte ich wie ich die Sprengung des Renaults der Niederlassung erklären sollte… Nachdem der Kampfmittelräumdienst aus Koblenz kam, war aber klar, die Granate kam aus dem ersten Weltkrieg und hatte keine Sprengkraft mehr. Der Besitzer hatte die Granate über Jahre als Türstopper für seinen Keller genutzt.




Beim Essen freundete ich mit David an, einem Luxemburger mit dem ich später den Verein “Wir sind Grenzenlos“ gründete und mit dem ich bis heute aktiv im Flutgebiet helfe. (www.wirsindgrenzenlos.com) (Facebook: Katastrophenschutz Luxemburg – Grenzenlos)


Ein Mitstreiter einer Partnerorganisation schrieb vor kurzem: „Wer den glauben an die Gesellschaft verloren hat; der soll ins Ahrtal kommen“. Bisher habe ich noch keine besseren Worte gefunden, um die schöne Seite dieser Katastrophe zu beleuchten. Ich traf im Krisengebiet viele tolle Menschen. Viele Menschen die sofort bereit waren uns und die betroffenen Gebiete zu unterstützen. Wir haben Zelte, Container, Materialien und Helfer jeglicher Art bekommen, welche nun in den verschiedensten Orten zum Einsatz kommen. Besonders stolz bin ich immer noch darauf, dass wir als Niederlassung Duisburg, nicht gezögert hat um mir die Hilfe in Form von Fahrzeug und Sachspenden bereitzustellen. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass die Werkzeuge sich weiterhin als nützlich für Anwohner und Helfer erweisen.


Mathis König/

Dualer Student




 

Impressionen:

Weitere Bilder vom beschriebenen Tag.


 



61 Ansichten0 Kommentare